
Strom und Wasser - Der letzte Schultag auf dem Rad
So gehen zwei Jahre Hein-Moeller-Schule zu Ende: mit den schuleigenen Fahrrädern durch den Berliner Osten fahren, die Industriekultur live vor Ort erleben und dabei den Sommer genießen!
Die Klasse OBFz45a legte an ihrem letzten Schultag 25 Kilometer auf dem Sattel zurück und erinnerte sich noch einmal daran wie wichtig die Elektrotechnik für unseren Alltag in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist. Auf den Spuren der Radtour „Wasser und Strom“ entdeckte die Abschlussklasse der Berufsfachschule zuerst die architektonischen Einflüsse der Hanse (Gaswerksiedlung) und wiederholte noch einmal mit ihren Lehrern Herrn Heilmann (Fachpraxis) und Herrn Gutsche (Elektrotechnik) die grundlegende Funktionsweise eines Generators.
Den Blick dabei auf die imposante Industrieanlage gerichtet. An jeder Station der Tour stellten Schüler die Industriekultur vor Ort vor: „Die Schornsteine vom Heizkraftwerk Klingenberg sind 169 Meter hoch“, erklärte uns Nathan beim zweiten Stopp. Entlang der grünen Uferpromenade des Rummelsburger Sees war für mehrere Kilometer der eindrucksvolle Palmkernölspeicher auf der Halbinsel Stralau zu sehen. Zusammen mit William konnte hier noch einmal ein Wechselstrommotor für den Betrieb einer Getreidemühle besprochen werden. Die moderne Wohnsiedlung am Standort der Stralauer Glaswerke bot die Möglichkeit über die Elektrotechnik hinaus auch die historischen Entwicklungen Berlins genauer zu betrachten: „Ab 1990 wurden hier Bierflaschen der Marke Beck’s hergestellt, bis 1997 der Betrieb eingestellt wurde.“ Leon thematisierte damit nicht nur die tiefgreifenden Veränderungen der Berliner Industrie in der Wendezeit. Nebenbei wurde gemeinsam festgestellt, dass für die großen technischen Anlagen ein Drehstrom-Motor mit einer Stern-Dreieck-Schaltung sicher am geeignetsten gewesen sein dürfte. Und diese Schaltung hat die Klasse ja schließlich auch selbst in Herrn Heilmanns Werkstatt aufgebaut und in Betrieb genommen.
Natürlich darf der Spaß an einem letzten Schultag nicht zu kurz kommen. Und so wurde im Treptower Park nicht nur der obligatorische Döner oder das mitgebrachte Pausenbrot gegessen, sondern auch der Sommer bei Fußball, Tischtennis und Chillen genossen! Auf dem Rückweg stellte uns Leonardo dann noch die wechselhafte Geschichte des Funkhauses an der Nalepastraße und seine moderne Nutzung als Zentrum für Musik und Kunst vor. Herr Heilmann ergänzte als Zeitzeuge: „In der DDR wurden von hier fünf Radiosender ausgestrahlt und es gab unzählige Studios mit einer super Akustik!“ Auch hier stellten die Schüler fest: Die Elektrotechnik wird überall gebraucht! Denn wie wurden eigentlich die Radiowellen für den staatlichen Rundfunk der DDR erzeugt? Gebraucht werden ein Kondensator und eine Spule – zumindest im Modell des Hertzschen Dipols. Und diese beiden elektrischen Betriebsmittel haben die zukünftigen „Servicekräfte für Elektrotechnik“ (so die Bezeichnung des vollzeitschulischen Ausbildungsberufs) doch im Detail im Unterricht bei Herrn Gutsche kennengelernt. Mit einem erfrischenden Eis lässt sich ja bekanntermaßen jeder gute Radausflug gebührend beenden.
Auch wenn Leonardo mit der Eisauswahl nicht ganz zufrieden war: „Matcha?! Das schmeckt doch wie Gras!“ Zurück an der Hein-Moeller-Schule wurden dann noch gemeinschaftlich die Fahrräder aufgeräumt und alle dankten einander für einen bewegten Tag mit Spaß und Wissen. Der Blick zurück auf zwei intensive Ausbildungsjahre ist zwar auch etwas wehmütig, aber mit einer soliden Grundausbildung in der Elektrotechnik stehen den Jugendlichen viele Entwicklungsmöglichkeiten und eine tragfähige Zukunft bevor.
Text: P.Gutsche
Bild: P.Gutsche
